Es gibt Übersetzende, die neben ihrer eigentlichen Tätigkeit Workshops leiten und unterrichten, oder kulturelle Veranstaltungen dolmetschen und moderieren, wie auch Katharina und Barbara. Auf jeden Fall ist der Beruf meist vielseitiger als nur reines Übersetzen. Aber was gehört noch dazu?
Fürs Lesen bezahlt werden?
Was ich vorher nicht wusste: Übersetzende erstellen auch literarische Gutachten. Wenn ein Verlag überlegt, die Übersetzungsrechte für ein Buch zu kaufen, die Lektorin die Sprache aber nicht spricht, dann muss die Einschätzung des Buches eben outgesourced werden.
Zu einem Gutachten gehört erstmal eine Inhaltsangabe. Diese sollte sachlich sein und muss Spoiler enthalten, anstatt durch vage und packende Sprache Spannung zu erzeugen (dafür gibt es ja den Klappentext). Dann folgt eine Beurteilung des Buches: Stärken und Schwächen, was Rezensionen in der Originalsprache sagen, ob es ins Verlagsprogramm passen würde etc.
Social Media: Wer sichtbar ist, bekommt Aufträge!
Barbara hat ihren ersten Auftrag bekommen, indem sie sich auf einer Buchmesse mit ihrer Visitenkarte bei einem Verlag vorgestellt hat. Heutzutage ist dieses Szenario eher unwahrscheinlich… Doch wie kommt man dann an Aufträge?
Man hört oft, dass eine gute Übersetzung eine unsichtbare Übersetzung ist. Übersetzende dagegen müssen sichtbar sein! Einerseits nach geleisteter Arbeit – zum Beispiel durch Nennung auf dem Cover – aber auch, um mit dieser überhaupt beauftragt zu werden.
Als Literaturübersetzende kann man über das Verzeichnis des VdÜ ausfindig gemacht werden, und Kontakte waren natürlich schon immer wichtig. Social Media wird dagegen immer relevanter und gehört auch für uns zum Berufsalltag.
Mittlerweile geht das auch auf Instagram, oder klassischer: LinkedIn (hatte ich zuvor immer nur mit selbstverliebten Businessgurus assoziiert, aber auch viele Übersetzende findet man dort!) Eine Webseite und eventuell ein Blog gehören auch dazu – deswegen übe ich hier schon mal das Verfassen von Blogartikeln.
Und dann natürlich Networking. Dass es so viele Veranstaltungen und Treffen für Übersetzende gibt, wusste ich vorher auch nicht. Zum Beispiel: das VdÜ Jahrestreffen, die Stammtische der Bücherfrauen, der Texttreff etc.
Praktikum zu Ende, was jetzt?
Ein Masterjahr habe ich ja noch vor mir, aber was werden meine ersten Schritte sein, um nach dem Studium in den Beruf einzusteigen? Wahrscheinlich werde ich mir direkt vom Finanzamt eine Steuernummer geben lassen, um als Soloselbstständige arbeiten zu können, und beim VdÜ einen Kandidat*innen Status beantragen (das geht auch ohne veröffentlichte Übersetzung).
Und dann: Eine Onlinepräsenz aufbauen und gleichzeitig so viel Erfahrung wie möglich sammeln, an Workshops oder Seminaren teilnehmen, Verlagspraktika machen etc.
Vielleicht werde ich auch mein Glück mit Übersetzungsproben versuchen. Dabei schlägt man einem Verlag ein Buch zur Veröffentlichung und gleichzeitig sich selbst als Übersetzerin vor. Leider klappt das nur selten, aber wenigstens fungiert die Übersetzungsprobe auch als eine Art Visitenkarte, oder sonst kann man sie fürs Portfolio wiederverwerten.
Jedenfalls bin ich dank Katharina und Barbara schon mal gut auf den Berufseinstieg vorbereitet!
Samira Bretbacher


