Meine Erfahrung als Praktikantin
bei Katharina und Barbara
Über mich und wie ich zum Praktikum kam
Ich heiße Samira und mache in Toulouse einen Master in Übersetzen und Dolmetschen. Dazu gehören natürlich auch Praktika. Obwohl es in meinen Studiengang keine Spezialisierung gibt, weiß ich, dass ich hauptsächlich mit Literatur arbeiten möchte. Da die meisten Literaturübersetzer*innen Freiberufler*innen sind, schien mir ein Praktikum in einer Übersetzungsagentur nicht der richtige Weg. Was jetzt?
Die Lösung lag so nah: in der TBR
Ich habe mich auf eine Internetsuche begeben und bin auf Katharina und Barbara gestoßen. Besonders spannend fand ich, dass sie im Tandem arbeiten, da Übersetzen meistens als eher einsame Tätigkeit dargestellt wird. Und ein von ihnen übersetztes Buch stand sogar schon auf meiner TBR (Das Mädchen, das den Himmel berührte von Luca di Fulvio)! Also habe ich beschlossen, sie anzuschreiben, und auch schnell eine positive Antwort bekommen. Bei einem ersten Zoom-Kennenlernen haben wir uns direkt gut verstanden. Angesichts der aktuellen Übersetzungshonorare ist das Praktikum natürlich unbezahlt, dafür wurde mir aber versichert, dass ich keine Minute lang am Kopierer stehen muss!
Erste Herausforderung: Deutsch
Im Studium übersetze ich aus dem Englischen und Italienischen ins Französische (Deutsch gäbe es sogar auch als Ausgangssprache, aber dann hätte ich ganz allein Unterricht – auch blöd). Deshalb war es eine neue Herausforderung, aus dem Italienischen ins Deutsche zu übersetzen. Naiverweise dachte ich, dass es ja tausendmal leichter sein sollte, als in eine Fremdsprache zu übersetzen. Insgesamt ist es das schon, und viele der gelernten Strategien lassen sich von einer Sprache auf die andere übertragen, aber trotzdem musste ich schon einige Male an meinen Deutschkenntnissen zweifeln.
Unsere Sprache hat ihre ganz eigenen Tücken, und die Stärken und Schwächen der Zielsprache werden einem beim Übersetzen erst so richtig bewusst. Wie schön sind doch unsere Nominalkomposita, wie nervig dagegen die ganzen Kommas vor Nebensätzen und Infinitivgruppen! Ein eleganter Originalsatz wird dadurch schnell mal schwerfällig … Dann muss man die Übersetzerinnen-Toolbox rausholen und versuchen, Nebensätze zu vermeiden, zum Beispiel mit Adverbien, oder durch Nominalisierung von Verben.
Der Praktikumsalltag (bei dem Kaffee dann doch nicht fehlen darf)
Wenn ich Kaffee koche, dann aber nur für mich allein. Damit setzte ich mich dann vor den Laptop, um eigenständig zu übersetzen (an einem New Adult Roman), oder in einem Zoom mit Barbara und Katharina die Übersetzungen zu besprechen. Außerdem haben die zwei sich auch viel Zeit genommen, mir Berufspraktisches beizubringen – ich wurde schon in ein paar Berufsgeheimnisse eingeweiht, – und erzählen auch manchmal persönliche Anekdoten aus ihrem Werdegang. Es ist besonders motivierend, zu sehen, dass jeder klein anfängt und dass man es schaffen kann, von Übersetzen und Literatur zu leben.
Zwischenfazit
Im Studium bringen viele Gastdozent*innen eine eher pessimistische Einstellung zu KI und der Zukunft des Berufes mit. Aber gerade dieses Praktikum zeigt mir immer wieder, dass literarisches Übersetzen eine Kunst ist und dass dazu so viel gehört, wozu KI nicht im Stande ist. Im nächsten Beitrag werde ich noch genauer erzählen, was ich alles gelernt habe.
Samira Bretbacher

