Italienisch ist eine Gebärdensprache, die durch Worte erschwert wird.
Anthony Quinn
Mehr Aufführung als Austausch von Worten – wenn das ein Kennzeichen italienischer Konversation ist, ist dann eine sprachkundige Opernregisseurin nicht geradezu prädestiniert zur Übersetzerin?
Ich habe nicht nur Italienisch, Literatur- und Theaterwissenschaft studiert, sondern auch Musiktheater-Regie. Und nun arbeite ich seit mehr als zwölf Jahren als Übersetzerin und kann mir keinen Beruf vorstellen, in dem ich meine Interessen, Fähigkeiten und Kenntnisse fruchtbarer entfalten könnte.
Dabei kam ich eher zufällig zum Übersetzen. Im Rahmen meiner Diplomarbeit über Donizetti und seine Librettisten war ich zu Studienaufenthalten in Mailand, Bergamo und Rom und übersetzte danach Libretti und musikalische Fachtexte für Schallplattenfirmen aus dem In- und Ausland.
Nun hatte ich Blut geleckt und vertiefte meine Italienischkenntnisse mit einem zusätzlichen Übersetzerstudium und weiteren Sprachkursen in Italien. Gleichzeitig weitete sich die Übersetzertätigkeit immer mehr aus, es kamen Aufträge aus der Schmuckbranche und dem Weinbau, aus Kultur und Wirtschaft.
Schließlich öffneten mir Beiträge zu einer Anthologie den Buchmarkt. Seitdem übersetze ich Kriminalromane für Fischer, Goldmann und Edition Lübbe, Kinderbücher für Arena und Bertelsmann, Kunstbücher für Dumont und vieles mehr.
Nach wie vor pflege ich meine Liebe zu allem, was mit Musik und Theater, mit Kunst und Kultur zu tun hat. Ebenso gern lebe ich meine dramaturgische Ader aus, nicht nur in der Übersetzung packender Dialoge, sondern auch in allen Arten von gesprochenen Texten, vom Hörbuch bis zum Voice-over für Film und Fernsehen. Und schließlich habe ich auch noch eine dunkle Seite, die sich mit Leidenschaft in kriminelle Abgründe begibt, sofern sie sich zwischen zwei Buchdeckeln verbergen.
Ich habe stets mehr im Blick als nur die Worte. Regelmäßige Lektüre, persönlicher Austausch und Reisen halten mich in Kontakt mit der italienischen Realität. Inhaltliche Richtigkeit sichere ich durch genaue Recherche. Und am Ende muss der Text klingen – auch wenn er nicht auf einer Bühne spielt.